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GOLDEN HEDGE
12. Mai, 2008
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Hedgefonds Performance

Trendfolgesysteme


1.1 Was sind Trendfolgesysteme

Ein systematisches Trendfolgesystem ist eine Managed Futures - Strategie, welche durch den Handel mit Terminkontrakten (Futures und Forwards) in den Währungs-, Zins-, Aktien- und Rohstoffmärkten positive Renditen zu erwirtschaften versucht. Das Trendfolgesystem wird auf ein sehr breit gestreutes Portfolio angewandt, dabei können bis zu 100 u. mehr verschiedene Märkte gleichzeitig und auf 24 Stunden Basis global gehandelt werden. Trendfolgesysteme versuchen von den Langzeittrends, welche in jedem Markt mehr oder weniger häufig auftreten, zu profitieren. Eine typische Haltedauer für eine eingegangene Position kann von 1 bis 6 Monate betragen. Derzeit (Nov 2007) sind ca. USD 120-140 Mrd. in der Managed Futures Industrie platziert, wobei ein signifikanter Prozentsatz anhand von Trendfolgesystemen verwaltet wird.

1.2 Warum sind Trendfolgesysteme profitabel?

Trendfolger lieferten über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren positive Erträge, weil Preistrends in nahezu allen Märkten mehr oder weniger oft auftreten. Um solche Preistrends profitabel zu nutzen, verwenden Trendfolger quantitative Modelle. Diese Handelssysteme weisen ein erwartetes Ertragsprofil einer gekauften Option auf. Dies bedeutet, dass das Handelssystem die Verluste limitiert und gleichzeitig das Potenzial für sehr grosse positive Erträge hat. Beispielsweise verwenden Trendfolgesysteme Stop-Loss Orders um das Verlustrisiko zu begrenzen.

Trendfolgesysteme

Abb.1: Ertragsprofil von Trendfolgesystemen


Das Ertragsprofil von Trendfolgesystemen entspricht also dem einer gekauften Option. Natürlich haben Optionen eine genau definierte Laufzeit, während hingegen bei Trendfolgesystemen die Laufzeit eines Trades von der Preisentwicklung abhängt. D.h. die Laufzeit ergibt sich durch den Ausstiegszeitpunkt, welcher vom Handelssystem ständig neu berechnet wird. Hinweis für Experten: Trendfolger versuchen nicht individuelle Optionen synthetisch nachzubilden, sondern bilden mittels einer Kombination von individuellen Marktstrategien und Portfoliodesign eine synthetisches Portfolio von Optionen.

1.3 Trendfolgesysteme sind quantitative Handelssysteme

Trendfolger verwenden meist selbstentwickelte Handelssysteme um ihre Erträge zu erwirtschaften - so wie auch viele andere Hedge Fonds mittels eigener Finanzmarktmodelle ihre Investmententscheidungen treffen. So verwenden folgende Hedge Fonds Stile fast ausschliesslich quantitative Modelle: Statistical Arbitrage, Convertible Arbitrage, Volatility Arbitrage und Fixed Income Arbitrage. Jedes dieser aufwändig entwickelten und daher streng geheimen Handelssysteme ist meist eine Variation von allgemein bekannten finanzwirtschaftlichen Methoden, welche in der einschlägigen akademischen Finanzliteratur ausführlich dokumentiert sind. Das selbe gilt auch für Trendfolgesysteme. Meist verwenden diese Modelle statistische Methoden aus der Ökonometrie bzw. Zeitreihenanalyse, aber auch allgemein bekannte Konzepte aus dem Riskmanagement, wie Value at Risk oder der Extremwerttheorie finden ihre Anwendung. Durch die Ableitung der Handelssignale allein aus aktuellen und vergangenen Daten der Kursreihe selbst gehören Trendfolgesysteme zur technischen Analyse der Finanzmärkte. Man bezeichnet sie auch als den statistischen oder mechanischen Ansatz der technischen Analyse (Murphy J., Technical Analysis of the Financial Markets, 1999). Der Begriff „mechanische Verfahren der technischen Analyse“ drückt sehr gut aus, worum es bei Trendfolgesystemen geht, nämlich um eindeutige Regeln, welche jeden Anwender bei gleichen Daten zum selben Ergebnis kommen lassen. Gleichzeitig beinhaltet der Begriff auch die Verarbeitung grosser Datenmengen mittels den Einsatz von Computern. Trendfolgesysteme sind also Verfahren, welche sich die Methoden der technischen Analyse, wie Trendkanäle, Momentum oder gleitende Durchschnitte, zu nutze machen, unter der Bedingung, dass sie mit einer eindeutigen Entscheidungsregel verknüpft sind. Der Ansatz ist extrapolativ, das heisst es wird aus einem Kursanstieg eine Fortsetzung dieses Anstiegs prognostiziert.

1.4 Moderne Trendfolgesysteme

Moderne Trendfolgesysteme verwenden jedoch nicht ausschliesslich Methoden der technischen Finanzmarktanalyse, sondern bedienen sich moderner statistischer Modelle, wie bspw. ARIMA-Modelle. Diese Modelle wurden nicht mit dem Werkzeugkasten der technischen Analyse entwickelt, ansonsten passen sie jedoch genau in die Definition von Trendfolgesystemen, nämlich extrapolative Verfahren der Kurszeitreihe zu sein, die sich mit einer eindeutigen Entscheidungsregel verknüpfen lassen. Diese Modelle werden auch als statistische Trendfolgesysteme bezeichnet. Die wissenschaftliche Literatur hat sich ausgiebig mit ARIMA-Modellen im Zusammenhang mit der These der Effizienz der Finanzmärkte beschäftigt.

Auch Genetische Algorithmen finden ihre Anwendung bei modernen Trendfolgesystemen. Sie gehören ebenso wenig wie ARIMA-Modelle zu den klassischen Trendfolgesystemen und erfüllen doch alle genannten Definitionsmerkmale für Trendfolgesysteme. Sie stellen eine Kombination der üblichen Werkzeuge der technischen Analyse angewandt auf aktuelle und vergangene Daten der Kurszeitreihe, wie Durchschnittsbildung, dar und sie können mit einer eindeutigen Entscheidungsregel kombiniert werden. Das Besondere an genetischen Algorithmen ist, dass die Auswahl der Operationen, wie Durchschnittsbildung oder Momentumanalyse, durch zufälliges Ziehen erfolgt, wobei die Wahrscheinlichkeit des Ziehens einer bestimmten Operation von ihrer Leistungsfähigkeit in einem weiter zurückliegenden Datenintervall abhängt. Der Vorteil dieses Trendfolgesystems liegt darin, dass Parameterwerte, wie die Länge von gleitenden Durchschnitten, vom Anwender nicht vorgegeben werden müssen, sondern vom System selbst gesucht werden. Dadurch kann eine nicht gewünschte Überanpassung („kurve fitting“) des Handelsmodells vermieden werden.

Eng verwandt mit Trendfolgesystemen, jedoch nicht genau auf die Definition passend, sind vektorautoregressive Verfahren (VAR-Modelle). Das sind statistische Modelle mit mehreren Variablen, wobei aber jede Variable einzig aus den Vergangenheitswerten der Modellvariablen erklärt wird.

1.5 Risiko- und Moneymanagement

Das weitaus wichtigste Element eines Trendfolgesystems ist das Risikomanagement. Dies geschieht einerseits durch die möglichst breite Streuung des Anlagevermögens auf unkorrelierte Märkte (Diversifikation) und andererseits durch das sogenannte Money Management. Während also die Signalgeneratoren lediglich die potenzielle Richtung (Long oder Short) des Marktes liefern, beantwortet das Risikomanagement in welchen Markt wieviel und mit welchem Risiko investiert wird. Erst ein ausgereiftes Risikomanagement macht aus einem simplen Signalgenerator ein erfolgreiches Handelssystem mit steuerbaren Ertrags- und Risikoeigenschaften.

1.6 Trendfolgesysteme - Fazit

Da die Entwicklung und statistische Analyse derartiger Modelle sehr aufwändig ist, leuchtet es auch ein, dass Trendfolger und Hedge Fonds im Allgemeinen ihre verwendeten Handelsmodelle nicht preisgeben wollen und können. Was jedoch allen Trenfolgesystemen gemeinsam ist, lässt sich am besten durch die altbekannte Börsenweisheit „let your profits run and cut your losses short“ ausdrücken. Die Methoden, welche Trendfolger einsetzen, sind in der Finanzliteratur ausführlich dokumentiert und für einen Investor ist ihre allgemeine Funktionsweise intuitiv verständlich. Was nun einen Trendfolger vom anderen unterscheidet, ist wie nun letzenendes diese einzelnen Methoden und finanzmathematischen Konzepte eingesetzt bzw. abgewandelt eingesetzt werden.

Quelle: Hehn, Innovative Kapitalanlagekonzepte


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